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Gedenkveranstaltung des IAK am 25.1.2005 im Deutschen Theater Berlin

Rede von Svetlana Biller

„Man sieht nur das, was man weiß.“ Mit diesem Satz im Hinterkopf machte ich mich zusammen mit weiteren Auszubildenden der Volkswagen AG im September letzten Jahres auf eine zweiwöchige Reise nach Polen, um dort in der Gedenkstätte „Auschwitz-Birkenau“ zu arbeiten, um diese für die Zukunft zu erhalten.
Klar hat man den Namen „Auschwitz“ im Zusammenhang mit dem Geschichtsunterricht schon gehört, doch das, was wir vor Ort gemeinsam erlebten, findet man in keinen Büchern.

Bei der ersten Führung durch das Stammlager „Auschwitz“ überlieferte uns der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Herr Heubner, eindrucksvoll einige Geschichten von Überlebenden. Und erst jetzt begriff ich langsam, dass der so friedlich erscheinende Ort, wie das Stammlager an diesem sonnigen Spätsommertag auf mich wirkte, ein Horrorszenarium für Millionen von Menschen war.

An den folgenden Tagen unternahmen wir weitere Führungen, auch durch das Vernichtungslager „Auschwitz-Birkenau“. Und je mehr man sich mit diesem Ort befasste und den „unglaublichen“ Geschichten zuhörte, desto unfassbarer erschien es einem. Man konnte bzw. wollte sich diese Grausamkeiten nicht vor Augen führen.
Dass die Menschen trotz allem die Hoffnung nicht aufgaben, zeigte uns eine Ausstellung, bei der Zeichnungen von ehemaligen Häftlingen zu sehen waren, die sie heimlich während ihrer Zeit im KZ-Lager gezeichnet haben. Auch bei dem Gespräch mit dem ehemaligen Häftling Smolen wurde uns diese Tatsache bestätigt.

Während der Arbeit, bei der wir die Wege von der Grasnarbe befreiten, um diese wieder sichtbar zu machen, entwickelte sich in kürzester Zeit eine starke Gruppe und auch Freundschaften zwischen uns, den VW-Auszubildenden und den polnischen Schülern aus Bielsko-Biala, die ebenfalls an der Maßnahme beteiligt waren. Trotz der mangelnden Sprachkenntnisse verständigten wir uns ohne jegliche Kommunikationsschwierigkeiten, wobei wir sehr kreativ waren.
Während unserer Arbeit fanden wir Gegenstände aus der Vergangenheit, eine Gabel, Porzellan, ein Stück eines Kinderschuhs: Sie erzählten uns von den jüdischen Menschen aus ganz Europa und erweiterten unseren Blick auf die grausame Geschichte dieses Ortes: Einzelne Schicksale fügten sich zu einem Bild zusammen.

Ein Gefühlschaos erlebte ich bei der Gedenkstunde, die wir am Denkmal im KZ Auschwitz-Birkenau gestalteten. Man merkte die Bedrücktheit jedes einzelnen. Und dieses zu erleben, war für uns alle ein Gefühl, das wir nie vergessen werden.

Dieser Ort hat mich sehr nachdenklich gemacht und verändert. Immer noch ist es für mich unbegreiflich, wie Menschen zu solchen Taten fähig sind, denn „die Häuser, die Wege, die Gegenstände sind unschuldig – erst was der Mensch daraus machte…“

Viele Menschen haben an diesem Ort ihr Leben verloren, damit so was nie wieder geschieht, darf die Geschichte nicht vergessen werden.
Und solange es Menschen gibt, die sich dafür einsetzen, wir diese durch uns weiterleben.

Doch man darf auch nicht vergessen, dass Polen mehr ist als Vergangenheit, die nach den heutigen Lebensansichten schwer nach zu vollziehen ist. Und zwar wunderschöne Landschaften, eine tolle Architektur und viele gastfreundliche Menschen, somit konnten auch einige Vorurteile gegenüber dem polnischen Volk aus der Welt geschaffen werden.

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