
Gedenkveranstaltung des IAK am 25.1.2005 im Deutschen Theater Berlin
Rede von Noach Flug
Im Namen des Internationalen Auschwitz Komitees begrüße ich
den deutschen Bundeskanzler, Herrn Gerhard Schröder und den Vorsitzenden
des Jüdischen Weltkongresses, Herrn Dr. Israel Singer. Ich begrüße
die Frau und Herren Minister, Abgeordnete des Bundestages, die Botschafter
und Vertreter der Botschaften.
Ich heiße alle Überlebenden des Todeslagers Auschwitz willkommen
und alle diejenigen, die mit uns daran arbeiten, dass auf Ewigkeit ein
Auschwitz nicht wieder vorkommt.
In der Zeit im Todeslager Auschwitz war uns nur ein Ziel des täglichen
Überlebenskampfes vor Augen: Überleben, um die erlebten und
gesehenen Gräuel, diese unerfasssbaren Grausamkeiten, der Welt zu
erzählen und zu beschreiben.
Nur jene, die dies miterlebten, können es anderen glaubhaft machen.
Nur so kann die Welt dies als Wahrheit erfassen und alles Menschenmögliche
vollbringen, um ein zweites Auschwitz zu verhindern.
Die Anwesenheit des deutschen Bundeskanzlers, zusammen mit dem Vorsitzenden
des Jüdischen Weltkongresses als unsere Ehrengäste, symbolisiert
unsere Hoffnung auf den Sieg des guten über das Böse, den Sieg
der Gleichstellung zwischen den Menschen über den Rassismus, den
Sieg der Solidarität und Liebe über den Hass und Trennung zwischen
den Völkern, den Sieg des menschlichen Geistes über die Feindseligkeit
und Grausamkeit des Nazismus.
Und auch den Sieg des Lebens und die Rückkehr ins Leben nach dem
Verlust des Mitleides und des Verstandes.
Dieses Ereignis zeigt die Veränderung, welche in Deutschland und
weltweit in den vergangenen 60 Jahren seit der Befreiung stattgefunden
hat. Die Befreiung des Todeslagers Auschwitz, das bis heute die Vorstellung
des Allerschrecklichsten der Schrecken darstellt.
In dem kürzlich veröffentlichten Film über den Untergang
der letzten Tage Hitlers, sehen wir das Berlin vor 60 Jahren. Ein Berlin
des grausamen Nazitums und der Diktatur, welche zur schrecklichsten Vernichtung
des jüdischen Volkes, der Schoah führe, aber auch Deutschland
und die restliche Welt ins Unglück stürzte.
Heute, im Gegensatz steht Berlin ein demokratisches, freies Deutschland,
wo die Liberalität, Kultur und Menschlichkeit wieder gewachsen ist.
Menschen die wachsam sind, dass sich Auschwitz nicht wiederholt.
Das kürzlich miterlebte Tsunami Beben war sicherlich kein Auschwitz
und kein von menschlicher Hand hervorgebrachtes Unglück wie der Holocaust,
sondern eine enorme Naturkatastrophe, welche rund 200.000 Menschenleben
forderte und Millionen Menschen zu Flüchtlingen und Obdachlosen machte.
Auschwitz begann mit dem Abtransport aus den Städten, es begann
vor vielen Augen:
Die Welt stand Auschwitz gegenüber und wenig wurde zur Rettung der
Juden getan. Dafür sind wir heute Zeugen, von einer weltumfassenden
Solidarität, zur Rettung von Frauen und Kindern, Jugendlichen und
Erwachsenen.
Länder und Menschen von verschiedenen Kulturen und Religionen legten
ihre Gegensätze beiseite, haben Kampf, Vernichtung und Krieg angehalten,
um Menschen zu retten.
Das ist lobenswert und ermutigend und ein Zeichen einer besseren Welt.
Ich möchte heute und hier im Namen der ehemaligen Verfolgten, im
Namen des Internationalen Auschwitz Komitees und dem Zentrum der Verfolgten
in Israel Danke schön sagen der Deutschen Regierung und Herrn Schröder
und den Parteien, dem Bundestag und der Industrie, den Deutschen für
die Hilfe und Unterstützung für die ehemaligen Verfolgten. Es
ist keine Wiedergutmachung, aber wichtige Hilfe, die die Überlebenden
bekommen haben: Viele von uns leiden an Spätfolgen der Verfolgung:
Ihre Hilfe ist weiterhin notwendig.
Diese Woche hat die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft abgeschlossen
die Auszahlung für die Sklavenarbeit. 1,5 Millionen Sklavenarbeiter
und über 200.000 ehemalige KZ- und Ghetto-Häftlinge haben symbolische
Zahlungen erhalten.
Wichtig ist auch die Arbeit gegen Vergessen und die Erziehung für
Demokratie und Liberalismus und der Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus,
die von vielen Menschen in Deutschland organisiert und unterstützt
wird.
Wir, die Überlebenden und alle Menschen guten Willens müssen
weiter achtsam sein, damit auf Ewigkeit Auschwitz nicht wiederkehrt.
Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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