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Schreiben an den Präsidenten des Iran,
Herrn Mahmoud Ahmadinejad

Abgesandt: Dienstag, den 12. September 06
via IsraCast.com
31. August 2006

An den
Präsidenten des Iran
Herrn Ahmadinejad

Ihre Haltung zum Holocaust

Exzellenz,

zuallererst möchte ich mich vorstellen: Ich bin Noah Flug, geboren in Lodz, einer Stadt, zu deren Bevölkerung vor dem Kriege eine Viertelmillion Juden gehörten und in der heute nur noch 300 Juden leben. Die Mehrheit der Bevölkerung wurde im Holocaust ermordet. Von meiner gesamten Familie, die einst Hunderte von Personen umfasste, habe ich als Einziger überlebt. Als Kind verbrachte ich vier Jahre im Ghetto von Lodz, anschließend war ich in den Konzentrationslagern Auschwitz, Groß-Rosen und Mauthausen. Als ich dieses Inferno überlebt hatte, stellte ich fest, dass meine gesamte Familie umgebracht worden war.

Ich wurde zum Vorsitzenden des Dachverbandes aller Organisationen von Überlebenden und Opfern des Holocaust in Israel gewählt sowie zum Präsidenten des Internationalen Auschwitzkomitees, dem alle ehemaligen Auschwitzhäftlinge aus ganz Europa und Amerika – ungeachtet ihrer nationalen Herkunft oder religiösen Zugehörigkeit – angehören.

Als ein Mensch, der das Inferno überlebt hat und heute Tausende von Holocaust-Überlebenden in Israel vertritt, weiß ich nicht, woher ich die Kraft nehme, Ihnen diese Zeilen zu schreiben.

Seit Sie an der Macht sind, haben wir im Zentrum der Organisationen der Holocaust-Überlebenden in Israel Ihre Auftritte und Ihre rassistischen Äußerungen verfolgt und die Tatsache zur Kenntnis nehmen müssen, dass Sie ein konsequenter Holocaust-Leugner sind.
Wir haben auch die Ausstellung rassistischer Karikaturen zur Kenntnis genommen, die gegenwärtig in Teheran gezeigt wird. Wir stellen uns die Frage, ob Sie wirklich nicht wissen, was geschehen ist, oder ob Sie das nur nicht wissen wollen.

Sie haben vor kurzem einen Brief an die Bundeskanzlerin von Deutschland, Angela Merkel, geschrieben. Laut Ihrer Interpretation könnte es sein, dass der Holocaust eine Erfindung der Alliierten am Ende des Zweiten Weltkrieges gewesen ist, um Deutschland zu erniedrigen.

Dies ist nicht das erste Mal, dass Sie die Tatsache der Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis in Zweifel gezogen haben. In der Vergangenheit haben Sie sogar behauptet, der Holocaust sei ein Mythos, der dazu herhalten muss, die Errichtung des Staates Israel zu rechtfertigen.

Angesichts dieser Behauptung bin ich zu dem eindeutigen Schluss gekommen, dass Ihnen das erforderliche Wissen in dieser Frage fehlt, und ich hoffe sehr, dass Ihre Äußerungen mehr auf Ihr fehlendes Wissen als auf böswillige Absicht zurückzuführen sind. Vielleicht ist es an der Zeit, dass Sie Ihr Wissen in dieser Frage aufbessern.

Zu diesem Zweck möchte ich Sie einladen, gemeinsam mit Mitgliedern des Präsidiums des Internationalen Auschwitzkomitees, die ehemalige KZ-Häftlinge aus Polen, Tschechien, Ungarn, Deutschland, Österreich, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien, Amerika usw. repräsentieren, das Konzentrationslager Auschwitz zu besuchen.
Dort werden wir Ihnen aus erster Hand zeigen können, wie die Vernichtungsmaschinerie der Nazis funktionierte und wie durch sie über einer Million Menschen – sowohl Juden als auch Nichtjuden – umgebracht wurden.

Ich bin mir auch sicher, dass sich etwas bei Ihnen ändern wird, wenn Sie die ergreifenden Zeitzeugenberichte der Vertreter des Zentrums der Organisationen der Überlebenden hören. Vielleicht wird sich Ihr Hass verringern und wir könnten gemeinsam etwas für die Förderung des Friedens tun.

Ihre Regierung hat auch angekündigt, dass sie in drei Monaten (im Dez. - Anm. d. Übers.) in Teheran eine internationale Holocaust-Konferenz unter dem Titel „Die Gründe für den Antisemitismus in Europa – Holocaust und Zionismus“ durchführen wird.

Ich wäre dankbar, wenn ich eine Einladung erhielte, um als Leiter einer Delegation von Holocaust-Überlebenden aus Israel an dieser Konferenz teilzunehmen. Das wäre eine Gelegenheit, eine ernsthafte und sachdienliche Diskussion über diese Frage zu führen.
Ich appelliere an Sie als führenden Repräsentanten einer großen Nation: Gemeinsam mit uns, den Überlebenden des Holocaust, könnten wir alle zusammen in der Lage sein, die erste Saat des Friedens zu säen.

Wir, die wir durch den Horror gegangen sind, setzen uns dafür ein, dass das Andenken der Opfer geehrt wird und dass unsere Leidensgeschichte den kommenden Generationen vermittelt wird, damit es nie wieder einen Holocaust gibt – nirgendwo auf der Welt.

Wir, die wir den Frieden lieben, appellieren an Sie: Hören Sie auf, den Weg zu einem neuen Holocaust zu bereiten!

Hochachtungsvoll

Noah Flug
Vorsitzender
Zentrum der Organisationen der
Holocaust-Überlebenden in Israel
Emil Botta St.; POB 7218
Jerusalem, Israel

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