Eva Umlauf ist die neue Präsidentin des Internationalen Auschwitz-Komitees. Im Gespräch erklärt die Holocaust-Überlebende, warum sie trotz ihrer 82 Jahre entschieden hat, sich in diesem Amt aktiv in die Politik einzumischen.
INTERVIEW: HELMUT ZELLER
An Wunder glaubt die Münchner Psychotherapeutin Eva Umlauf, 82, nicht. Und an Gott? Wo war er, als die Deutschen im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz 1,1 Millionen Menschen, fast alle waren Juden, ermordeten? Umlauf spricht von Schicksal, wenn sie von ihrer Befreiung als zweijähriges Kind aus der Lagerhölle erzählt. Jetzt hat das Schicksal sie in das Amt der Präsidentin des Internationalen Auschwitz-Komitees geführt – in der Nachfolge des am 18. Februar in Warschau verstorbenen polnisch-jüdischen Journalisten und Auschwitz-Überlebenden Marian Turski. Das 1952 gegründete Komitee wollte an seiner Spitze wieder jemanden, der streitbar und unerschrocken das Vermächtnis der Überlebenden vertritt und sich auch nicht scheut, Politiker für den Kampf gegen Antisemitismus in die Pflicht zu nehmen. Umlauf empfängt in ihrer Münchner Wohnung. In wenigen Stunden bricht sie nach Italien auf. Aber die Zeit für ein Interview, hat sie gesagt, müsse noch sein.
SZ: Frau Umlauf, haben Sie gezögert, den Vorsitz des Komitees anzunehmen?
Eva Umlauf: Nur kurz, um nachzudenken. Ich wusste zunächst nicht, was da alles auf mich zukommen wird. Aber es ist eine große Ehre, und manche Dinge kann man nicht einfach absagen. Gerade heute, bei dem wachsenden Hass, empfinde ich es als Pflicht, dass man etwas machen muss. Dieses Amt gibt mir Gelegenheit dazu. Ich will das gut nutzen, so gut ich kann.
Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?
Das wird sich noch ergeben, ich bin gerade mal gewählt worden. Klar ist, ich will nicht einfach weitermachen wie bisher. Ich will, dass man in dieser schweren Zeit, da viele Menschen in Deutschland wie weltweit Juden wieder hassen, den Antisemitismus bekämpfen.
Das tun Sie doch als Zeitzeugin seit vielen Jahren schon?
Ja. Seit gut zehn Jahren. Die Stimme von uns Überlebenden hat Gewicht, deshalb ist ihr Ableben auch ein großer Verlust für eine Gesellschaft wie unsere, die um ihre demokratische Zukunft ringt. Am 70. Jahrestag der Befreiung kamen noch 200 Überlebende in die Gedenkstätte Auschwitz. Jetzt, beim 80., waren es nur noch 50. Vielleicht kann ich als Präsidentin des Auschwitz-Komitees mehr Einfluss auf die Politik nehmen. Ich werde es versuchen.
Sie werden also die politischen Entwicklungen weiterverfolgen und Stellung beziehen?
Aber wie. Neben meinen repräsentativen Aufgaben als Präsidentin werde ich das natürlich tun.
„Sagen wir also,
ich bin eine der jüngsten
Überlebenden.“
Dann sind Sie im Auschwitz-Komitee bestens aufgehoben. Kaum ein anderer Opferverband ist politisch so agil.
Genau. Die Vertreter der 19 Mitgliedsländer an der Spitze des Komitees wollen das auch so. Sie begegneten mir alle sehr freundlich und hilfsbereit. Und dann ist da noch der Schriftsteller Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Komitees. Er ist der Kopf des Ganzen, kümmert sich intensiv um die Überlebenden, ist hervorragend vernetzt und mischt sich mit brillanten Kommentaren und Analysen in die Erinnerungspolitik ein. Das Auschwitz-Komitee ist kein toter Verein wie so manch anderer. Ich will mit ganzer Kraft zu seiner Zukunft beitragen, nicht nur wir Überlebende brauchen das Komitee, es ist für unsere Demokratie wichtig. Ob mir das so gut gelingen wird wie meinem Vorgänger, das weiß ich nicht. Marian Turski war eine große Stütze des Komitees und ein begnadeter Redner. Seine letzte Rede – ich war dabei, als er sie am Holocaust-Gedenktag, 27. Januar, in Auschwitz hielt – habe ich mir besorgt, um sie auch lesen zu können.
Welche Reaktionen gab es denn aus den jüdischen Gemeinden und der Politik auf Ihre Wahl?
Keine. Es soll, wenn ein Termin gefunden wird, einen Antrittsbesuch beim Bundespräsidenten geben. Der bayerische Landtagsabgeordnete Karl Freller (CSU) hat mir als Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten einen Brief geschrieben und mir gratuliert. Eine Reaktion hat mich besonders gefreut.
Welche?
Mein Sohn Julian hat seinem Bruder gleich eine Nachricht geschrieben: „Mama ist Präsidentin.“ (lacht.) Meine Kinder sagten zu mir, Mama, wir sind stolz auf dich. Das freut eine Mutter natürlich.
Wie hat Ihre Schwester reagiert, die in Auschwitz nach der Befreiung geboren wurde?
Am 26. April 1945. Wir gehörten zu jenen 6000, die zu krank und schwach waren, um von der SS noch auf den Todesmarsch getrieben zu werden. Die Rote Armee, die am 27. Januar das Lager befreit hatte, gab uns Essen, medizinische Hilfe und – ein Traum – frisch bezogene Betten. Meine Schwester war sechs Wochen alt, als unsere Mutter uns nach Hause zurückbrachte. Unser Vater hatte nicht überlebt. Aber zu ihrer Frage: Meine Schwester war von meiner Wahl zur Präsidentin auch positiv überrascht. Sie tritt nicht als Zeitzeugin auf, hat mir aber sehr bei meinem Buch geholfen, viele Recherchen beigesteuert.
Sie sind die jüngste Auschwitz-Überlebende?
Ich bin knapp zwei Jahre alt gewesen, als wir von Nováky, einem Arbeitslager für Juden in der Slowakei, nach Auschwitz deportiert wurden. Dass ich die Jüngste mit einer eintätowierten Nummer bin, das steht in vielen Quellen. In Auschwitz wurde bis Ende Oktober 1944 vergast, wir kamen, später als geplant, am 3. November, an, weil der Zug unterwegs defekt war. Drei Tage vor uns traf ein Transport aus Theresienstadt ein, über 1000 Menschen. Sie sind direkt ins Gas gegangen. Aber es gibt noch eine Jüngere, die 1944 vor der Befreiung in einer Baracke geboren wurde, eine ungarische Jüdin, die heute in Ottawa lebt. Sie hatte keine Nummer. Ich kenne sie sehr gut. Sie hatte ein Geburtsgewicht von 1000 Gramm. Trotzdem hat sie überlebt. Sagen wir also, ich bin eine der jüngsten Überlebenden.
Sie sind Ärztin, Therapeutin und Kinderpsychologin, wissen viel über die Weitergabe von Traumata und die psychischen Strukturen des Judenhasses.
Ja, schon. Aber eine große Rolle in meinem Engagement gegen Antisemitismus spielt doch mein eigenes Schicksal. Ich möchte vor allem mit jungen Menschen sprechen, ihnen zeigen, welche Verantwortung sie tragen, was passieren kann, wenn wir nicht hinschauen, wenn wir vergessen, wenn wir schweigen. Ich will verhindern, dass Kinder oder Jugendliche von heute eines Tages Ähnliches wie ich erleben müssen. Ich kann nicht verstehen, wie manche die AfD wählen können, eine Partei, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem bewertet wird. Viele schauen nur Tiktok oder leben in einer anderen Scheinwelt – und sie merken gar nicht, was gerade geschieht.
Wünschen Sie sich eine andere Bildungspolitik in Bund und Ländern?
Das wünsche ich mir nicht nur, das fordere ich, das gesamte Auschwitz-Komitee will das. Der wichtigste Auftrag der Schulen ist doch, Kindern Bildung und Erziehung zu geben. Man kann sie nicht einfach in die Schule schicken, ihnen jeden Tag ein Pausenbrot geben und sie nach dem Abitur wieder abholen. Gerade in unserer Zeit mit ihren demokratiefeindlichen Strömungen müssen Schulen Orte der demokratischen Bildung sein. Da gibt es aber Defizite. Kinder brauchen Begleitung, Orientierung und Aufmerksamkeit, damit sie sich dem Einfluss von Verschwörungsmythen erwehren, zu antisemitischem und rassistischem Gedankengut eine kritische Distanz aufbauen und bewahren können. Das muss bei den Lehrern anfangen, sie müssen entsprechend ausgebildet werden. Das Thema Antisemitismus gehört in den Unterricht. Man bemüht sich schon, aber insgesamt ist das Ergebnis zum Weinen.
In der Politik scheint das noch nicht angekommen zu sein, die Zahl antisemitischer Vorfälle steigt auch an Schulen.
Trotzdem, es gibt engagierte Lehrer, die die Kinder und Jugendlichen über die Shoah, den Zivilisationsbruch, aufklären. Die Schüler können es kaum glauben, was geschehen ist. Gute Pädagogen vermitteln ihnen aber, warum es wichtig ist, darüber Bescheid zu wissen, was diese Vergangenheit heute mit ihnen und ihrem Leben zu tun hat. Da gibt es eine Neugier, da kommen Fragen. Das merke ich auch bei meinen Lesungen und Zeitzeugengesprächen mit Jugendlichen. Es muss so laufen wie in Bayern: zuerst im Unterricht darüber lernen, dann ein Besuch in der KZ-Gedenkstätte Dachau mit Führung und dann noch ein Gespräch mit einem Überlebenden. Das ist aber nicht in allen Bundesländern so.
In Bayern können sich in einem Internet-Portal Lehrkräfte, die bei antisemitischen Vorfällen oft überfordert sind, Hilfe holen. Aber reicht das?
Da sind noch die Eltern, die einen enormen Einfluss auf die Kinder haben. 47 Prozent der befragten 14- bis 16-Jährigen einer Studie haben keine Ahnung, was Auschwitz war. Ich merke das auch, dass sie wenig wissen. Klar, sie kennen den Namen Hitler, manche Pubertierende sind gar von seiner Person fasziniert. In einer Schule hat ein Junge in der Diskussion als erster die Hand gehoben und mich gefragt, ob ich Hitler gesehen habe. In den sozialen Medien ist seine Figur ständig präsent, und es wird eine gewisse Begeisterung erzeugt.
Laut einer Umfrage glaubt jeder fünfte Deutsche, dass seine Vorfahren in Nazideutschland Juden gerettet hätten.
Das sind die trügerischen Erinnerungen, die in den Familienerzählungen Wirkung entfalten, obwohl sie offenkundig Blödsinn sind. Bei einer Gesamtbevölkerung von 60 Millionen haben Historikern zufolge etwa 10 000 Deutsche Juden aktiv geholfen. Da sind wir im Promillebereich. In Täterfamilien schweigt man, man spricht nicht darüber, trotz eigener Verluste. Doch das Schweigen hat noch niemandem geholfen. Ich habe Patienten, die sich wundern, dass der Opa in der SS war. Er sei so nett gewesen. Für seine Enkelkinder vielleicht. Andere Kinder hat er ermordet. Davon gibt es unzählige Beispiele.
„Das Schweigen
hat noch
niemandem geholfen.“
Und die Täter-Opfer-Umkehr lügt die Vergangenheit auch schön?
„Ich habe auch meinen Opa verloren“, aber niemand fragt, warum. Doch man muss auch diese andere Seite der Geschichte erzählen, sonst wird sich die transgenerationelle Weitergabe fortsetzen, von einer Generation auf die andere. Wie lange noch, kann man jetzt nicht sagen. So weit sind wir in der Forschung noch nicht. Die Kinder spüren oft sehr genau, wenn etwas nicht stimmt oder unausgesprochen bleibt. Sie lernen in der Schule über den Zweiten Weltkrieg und stellen Fragen, etwa, was der Urgroßvater damals gemacht hat. Sie bekommen dann oft Lügen aufgetischt: Er sei gar nicht im Krieg gewesen, krank gewesen, man habe ihn nicht eingezogen. Manche Kinder beginnen, selbst zu forschen. Wenn sie dann erfahren, dass sie belogen wurden, konfrontieren sie ihre Eltern oder Großeltern damit. Das kann dann sehr belastend sein, für alle. Auch Nachkommen ehemaliger Täter können traumatisiert sein. Aber die Jugendlichen wollen die historische Wahrheit wissen.
Was kann konkret getan werden?
Ich nenne mal ein positives Gegenbeispiel. Mit dem ZDF habe ich zum Holocaust-Gedenktag eine Kindersendung gemacht. Die Redaktion hat mir danach emotionale Briefe von diesen Kindern geschickt, die eine Förderschule besuchen. Das war unglaublich, wie die Kinder das verstanden haben. Eines hat mir geschrieben, es sei so froh, dass ich noch lebe. Die Kinder wurden von den Eltern und Lehrern, die setzten sich mit vor den Bildschirm, begleitet. Danach sprachen sie mit ihnen über die Sendung. Man muss sich auch um die Jugendlichen mit Migrationshintergrund bemühen, denn wenn sie in diesem Land bleiben wollen, dann müssen sie auch die deutsche Geschichte kennen. Das ist alles nicht so einfach, aber man kann immer noch mehr machen, als man jetzt macht. Man muss mehr machen.
Sie selbst haben keine bewusste Erinnerung an Auschwitz, waren ja auch erst zwei Jahre alt. Aber diese schreckliche Erfahrung hat Ihr Leben tief geprägt?
Auschwitz ist mit meinem Leben untrennbar verbunden. Wir waren eine amputierte Familie, ohne Vater. Ich hatte keine Oma, die mir einen Pullover gestrickt oder Kuchen gebacken hätte, keinen Opa, keine Cousine. Niemanden. Es war nicht so, dass wir jeden Tag geweint hätten über die vielen Toten, wir mussten damit leben. Doch man ist anders, das spürte man besonders an den Feiertagen, wenn Familien üblicherweise zusammenkommen. Aber Auschwitz und Nováky hatten auch meine Gesundheit beeinflusst. Ich litt an Tuberkulose, war in einem Sanatorium. Mein erstes Schuljahr habe ich praktisch im Bett verbracht. Es reichte, dass ich einmal niesen musste, schon bestand meine Mutter darauf, dass ich mich mit einem dicken Pullover ins Bett legte. Sie hatte Angst, dass sie auch mich und meine Schwester verlieren könnte, sie dann ganz allein wäre. Wir hatten eine überfürsorgliche Erziehung. Wir waren wärmer angezogen als andere Kinder, durften sehr viel nicht machen. In Trencin, wo wir gelebt haben, durfte ich nicht über die Straße gehen, ohne die Hand meiner Mutter zu halten. Dabei ist damals ein Auto vielleicht nur alle drei Stunden vorbeigefahren. Sie war sehr ängstlich.
Und der Judenhass war auch in der Slowakei nicht überwunden?
So war es. Und heute haben wir, vor allem seit dem 7. Oktober 2023, eine Welle an Antisemitismus in vielen europäischen Ländern, eben auch in Deutschland. Für 2024 wurden 77 Prozent mehr antisemitische Übergriffe gezählt als im Vorjahr.
Haben Sie das so kommen sehen?
Ich hätte das nie für möglich gehalten. Dass man israelische Fahnen anzündet. Dass man Rabbiner bespuckt, das war bereits vor dem 7. Oktober so. Dieser grausame Judenhass, ob nun von rechts- oder linksextremer Seite, aus muslimischen Kreisen oder, nicht zu vergessen, aus den feinen bürgerlichen Salons.
In 80 Jahren seit Kriegsende also immer noch nichts gelernt?
Ich habe den Eindruck, dass Deutschland oft bemüht ist, eine vorbildliche, Antisemitismus-kritische Erinnerungskultur zu zeigen. Doch es reicht nicht, bei Gedenkritualen das „Nie wieder“ zu beschwören, wenn gleichzeitig antisemitische Tendenzen wieder zunehmen. Dieses „Nie wieder“ darf nicht zu einem „Schon wieder“ werden. Den Worten müssen die Taten folgen.
Wie steht die neue Präsidentin des Auschwitz-Komitees zu der wachsenden Israel-Feindlichkeit?
Wenn wir Israel verlieren, sind wir Juden alle dran. Man muss nicht besonders klug sein, um das zu verstehen. In diesem Jahr hat Deutschland 60 Jahre Freundschaft mit Israel gefeiert. Ich will jetzt gar nicht mehr über die ehemalige Außenministerin Annalena Baerbock viele Worte machen. Aber sie hat viel dazu beigetragen, dass Israel, die einzige Demokratie im Nahen Osten, in der Weltgemeinschaft weiter isoliert wurde. Ich hoffe, dass die Solidarität mit Israel gerade in der deutschen Politik wieder wächst, in die neue Regierung habe ich da mehr Vertrauen, wenn auch kein absolutes Vertrauen.
Eine Mehrheit der Deutschen spricht sich für einen zeitweisen Stopp von Waffenlieferungen aus, viele nehmen, das war auch schon im Gaza-Krieg von 2014 so, eine Täter-Opfer-Umkehr vor, werfen dem israelischen Staat Nazi-Methoden vor.
Das ist vielen willkommen, weil es scheinbar von der eigenen historischen Schuld erlöst. Die Leute denken nicht nach. Die genozidalen Massaker der Hamas am 7. Oktober, die Ursache des Krieges in Gaza, werden kaum mehr erwähnt, die und die Geiseln sind schnell in Vergessenheit geraten. Aber auch mir gefällt die Politik der Netanjahu-Regierung nicht, viele Israelis sind auch dagegen und protestieren. Man zeigt hierzulande in den Medien hungernde palästinensische Kinder, vergisst aber zu sagen, wer sie verhungern lässt. Jedem bleibt bei solchen Bildern das Herz stehen, wir wollen nicht, dass sie vor Hunger sterben oder krank werden. Aber man muss sich vor Augen halten, wer sich in den Tunnels unter den Krankenhäusern und Schulen befindet, wer sich weigert, die Geiseln freizulassen und die Waffen niederzulegen. Es ist die Hamas.
Was kann das Auschwitz-Komitee in dieser Situation machen?
Also ich als Präsidentin kann nur an die deutsche Politik appellieren, die Solidarität mit Israel mit Taten zu leben – und, was ich innenpolitisch für notwendig erachte, endlich sich zu einem Verbotsantrag für die AfD durchzuringen, bevor diese Partei noch mehr Zulauf findet als bei der vergangenen Bundestagswahl. Da mir mein Amt viele Türen öffnen wird, hoffe ich, dass ich diese Forderungen mit noch mehr Nachdruck als bisher vertreten kann. Wir Alten sind nicht mehr die Zukunft, aber wir müssen noch, solange es geht, der Jugend etwas in die Hand geben, eine Orientierung, sie überzeugen, dass die NS-Vergangenheit eben kein „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte war, wie es aus der AfD ertönte. Es geht um den Kampf gegen Antisemitismus, und mehr noch: darum, wie man generell miteinander umgeht, was die Würde des Menschen in unserer Gesellschaft noch für eine Bedeutung haben wird – sagen wir, wenn weitere 80 Jahre seit dem Zivilisationsbruch der Shoah vergangen sein werden.
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