Landsberg am Lech, 30. November 2025 – Mit großer Dankbarkeit und tiefem Respekt blickt das Internationale Auschwitz Komitee auf das diesjährige Liberation Concert in Landsberg am Lech. Unter dem Motto „Jugend trifft Geschichte – 80 Jahre Liberation Concert“ gestalteten Jugendliche aus Landsberg und aus Israel im Stadttheater ein eindrucksvolles Zeichen gegen Vergessen, Hass und Geschichtsrelativierung.
Die Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees, die Holocaust-Überlebende Dr. Eva Umlauf, hatte in diesem Jahr die Schirmherrschaft für das Jubiläumskonzert übernommen und sprach beim Festakt zu den Jugendlichen und Gästen. In ihrer Rede würdigte sie das Engagement der jungen Generation, die die Erinnerung an die Befreiungskonzerte der überlebenden Musiker aus den DP-Lagern in St. Ottilien und Landsberg aufnimmt und in ihre eigene Sprache und Musik übersetzt.
Dr. Eva Umlauf erinnerte daran, dass das erste Befreiungskonzert am 27. Mai 1945 – nur wenige Wochen nach dem Ende der NS-Diktatur – ein lauter, verletzlicher Ruf in die Welt gewesen sei: „Wir leben. Wir sind noch da.“ Die damaligen Musiker hätten mit ihren Instrumenten Zeugnis abgelegt für Menschlichkeit, Würde und Hoffnung – und damit den Grundstein gelegt für eine Erinnerungskultur, die nicht im Schmerz stehenbleibt, sondern den Blick in die Zukunft richtet.
Mit Blick auf die aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland und Europa betonte Eva Umlauf, dass dieses Konzert gerade heute ein deutliches Signal setze: „Die Musik und eure Stimmen machen sichtbar, dass ihr Verantwortung übernehmt – für Demokratie, für ein respektvolles Miteinander, gegen Antisemitismus und gegen jede Form von Menschenverachtung.“ Ihre eindringliche Botschaft an die Jugendlichen fasste sie in einem knappen Appell zusammen: „Habt Hoffnung.“
Die Rede von Dr. Eva, Umlauf,
Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees:
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, lieber Abba Naor, liebe Karla Schönebeck, verehrte Gäste, vor allem aber liebe junge Menschen, Gäste aus Deutschland und Israel!
Darf man als Frau eine Schirm h e r r schaft übernehmen? Gibt es das Wort Schirm f r a u schaft überhaupt? Egal, liebe Frau Oberbürgermeisterin, ich habe mich über Ihre Anfrage sehr gefreut!
Bis zum heutigen Tag nämlich -80 Jahre später- führen mich die "Liberation Concerts" aus der entsetzlichen Dunkelheit und dem Morden heraus, das auch die Musikerinnen und Musiker in den deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern miterlebt hatten. Und dann waren doch die meisten von ihnen damals in den Lagern hier in Landsberg und in anderen Orten Deutschlands mutterseelenallein:
Sie waren die einzigen, die von ihren Familien überlebt hatten. Sie waren wirklich "displaced persons", in der Fremde in ein Überleben hineingeworfen - und diese Fremde -wenn auch von den Amerikanern beschützt- lag geographisch doch in dem Land, aus dem die Mörder gekommen waren.
Und dennoch oder gerade deshalb: Ihre Energie und Kreativität beim Aufbau ihres kulturellen und sozialen Lebens war unerschöpflich und so wurden sie besonders hier in Landsberg zu Trägern der jüdischen Sprache und Kultur, wie es der jüdisch -litauische Intellektuelle Israel Kaplan beobachtet hat, der auch am 21.10.1945 hier in Landsberg vor Ben Gurion eine Rede gehalten hat. Karla Schönebeck hat die Notizen Israel Kaplans im Archiv des Hauses der Ghettokämpfer im Lochamej Hagetaot gefunden, das nach dem Dichter und Kämpfer Itzak Katzenelsson benannt ist.
Liebe Freunde, Worte für den Schmerz, das Leid und die grauenvollen Bilder aus den Vernichtungslagern zu finden - das war damals für viele von uns, den Überlebenden, sehr sehr schwer. Aber es gab und gibt doch eine universelle Sprache:
Die Musik!
Und so floß in diesen ersten Monaten des Überlebens die L e i d e n schaft des Neuanfangs, eines neuen Lebens und -ja- auch der Hoffnung in die Musik.
Die Musik w a r die Hoffnung. Und so ist es für mich bis heute geblieben!
Und deswegen haben die Liberation-Konzerte von damals für mich - und ich denke für uns alle- eine so tiefe und große Bedeutung! Es berührt mich bis heute, verehrte Gäste, dass viele der jungen jüdischen Menschen, die damals in Displaced Persons Lagern lebten, in ihrer Kreativität auch beflügelt waren von der Hoffnung auf den baldigen Neuanfang in Israel. Darauf lebten sie hin und darauf bereiteten sie sich hier in Landsberg und andernorts vor.
Und deshalb bin ich sehr glücklich und sehr dankbar, dass hier und heute deutsche und israelische Bürgerinnen und Bürger -Junge und Ältere- zusammen kommen. Uns alle trägt doch gerade in diesen Tagen die Hoffnung, dass Menschen überall auf der Erde Wege finden, friedlich und beschützt zusammen zu leben: Jene Hoffnung, die auch die Musik der LIberation-Concerts und ihre Musikerinnen und Musiker getragen hat.
Ich wünsche der israelisch-deutschen Jugendwoche in Landsberg jeden Erfolg. Den jungen Menschen hier im Saal möchte ich sagen:
Lebt gut und gerecht! Erinnert Euch an die, die aus der Dunkelheit des Todes kamen und dennoch Hoffnung fanden. Habt Hoffnung!
Ich danke Ihnen.