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10.08.2025

„Wie eine zweite Katastrophe“ – Holocaust-Überlebende in Israel fühlen sich von Deutschland im Stich gelassen

 
 

 

 

 

Zur derzeitigen Situation von Holocaust-Überlebenden in Israel und zu den aktuellen Entscheidungen der deutschen Bundesregierung bezüglich ihrer Haltung zu Israel und Waffenexporten nach Israel betonte in Berlin Christoph Heubner, der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees:

"Nach wie vor leiden Überlebende des Holocaust in Israel unter den Folgen des Terrorangriffs der Hamas vom 7. Oktober 2023. Viele von ihnen können bis heute nicht in ihre Wohnheime oder Häuser zurückkehren, die durch Luftangriffe massiv gefährdet sind. Das Erleben des 7. Oktobers, die Erinnerung an die Ermordung von Holocaust-Überlebenden an diesem Tag und auch die Ermordung und Geiselnahme von Familienmitgliedern sowie die aktuellen Fotos und Videos der von der Hamas festgehaltenen Geiseln belasten sie zutiefst. Sie vermischen sich zudem in ihren Erinnerungen mit den Bildern anderer von ihnen erlebter Pogrome und den Morden von Auschwitz. 

Das von der Hamas ausgelöste Leid aller Menschen in der Region und der Hass, der jüdischen Menschen seit Israels Gegenwehr weltweit entgegenschlägt, dies alles empfinden sie am Ende ihres Lebens als eine zweite Katastrophe ihrer Existenz.

Der Blick auf Deutschland war für Überlebende des Holocaust in den letzten Jahrzehnten ein Blick der Zuversicht und der Verlässlichkeit – gerade angesichts zahlloser Attacken vieler Gruppen und Staaten, die einzige Demokratie des Nahen Ostens zu delegitimieren und aus der Staatengemeinschaft auszugrenzen. In diesen Tagen verdunkelt sich der Blick der Überlebenden auf Deutschland. Es entstehen ernste Zweifel, ob die Regierung und die Menschen in Deutschland sich bewusst sind, unter welch existentieller Bedrohung von verschiedenen Seiten Israel in diesen Tagen steht. Egal, wie ablehnend, kritisch oder zustimmend Überlebende des Holocaust der derzeitigen israelischen Regierung und den von ihr beschlossenen Maßnahmen gegenüber stehen, sie alle eint die Sorge um den Fortbestand ihres Staates, der jüdischen Menschen gerade nach dem Holocaust Sicherheit und eine Zukunft geboten hat. Jede Entscheidung gerade der deutschen Bundesregierung, die als Abkehr von Israel gewertet werden muss, empfinden Überlebende des Holocaust auf dem Hintergrund ihrer eigenen Geschichte als bedrohlich und deprimierend. Sie befürchten durch die aktuelle Entscheidung die Stärkung der Hamas in ihrem Festhalten am Kurs des Hasses und des Terrors gegenüber Menschen in Israel."