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Gedenken an die Häftlinge des ersten Transports nach Auschwitz: Erinnern daran, in welchem Inferno Rassismus und Antisemitismus enden können

"Ihr seid hier nicht in ein Sanatorium gekommen, sondern in ein deutsches Konzentrationslager, aus dem es keinen anderen Ausweg gibt als durch den Schornstein des Krematoriums." SS-Lagerführer Fritzsch am 14. Juni 1940 in Auschwitz

Weltweit gedenken am morgigen Sonntag Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau ihrer polnischen Mithäftlinge des 1. Transportes, der am 14. Juni 1940 das entstehende Konzentrationslager Auschwitz erreichte. Mit diesem Tag beginnt die mörderische Tragödie, die sich für viele Überlebende mit dem Begriff Auschwitz verbindet. Die meisten der Gefangenen waren beim Grenzübertritt verhaftet worden, als sie versucht hatten, aus dem besetzten Polen zu fliehen, um sich im Ausland entstehenden polnischen Militärverbänden anzuschließen. 728, überwiegend junge Polen, wurden an diesem Tag – deportiert aus den Folterkellern der Gestapo im Gefängnis Tarnow – in das Lager Auschwitz gebracht. Sie erhielten die Nummern 31 bis 758. Die ersten dreißig Nummern waren an kriminelle Häftlinge vergeben worden, die man aus Sachsenhausen nach Auschwitz geholt hatte, um der SS zu Diensten zu sein.

Zum weltweiten Gedenken an die Häftlinge des 1. Transportes betonte in Berlin Christoph Heubner, der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz:

"Der 14. Juni 1940 ist der Tag, an dem in Auschwitz jener Hass gegenüber den ahnungslosen polnischen Häftlingen losbricht, der sich später bis hin zum industriellen Massenmord an den Juden und den Sinti und Roma Europas steigern wird. Die zumeist jungen polnischen Häftlinge des 1. Transportes hatten nach ihrer Verhaftung weitere Gefangenschaft, Schmerzen, Hunger und harte Arbeit erwartet, aber auf diesen Ort, diesen Hass und die Mordlust der SS waren sie nicht vorbereitet.  Mit dem 14. Juni begann für sie ein teilweise jahrelanges Martyrium in deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern.

Viele jüdische und nichtjüdische Häftlinge, die später nach Auschwitz deportiert wurden, erinnern sich mit Zuneigung und Dankbarkeit an die Häftlinge des 1. Transportes, die die Bedingungen und Örtlichkeiten im Lager sowie den Hass der SS genau einschätzen konnten und immer wieder versuchten, ihnen ihr Los zu erleichtern oder ihnen Mut zusprachen. Viele der Häftlinge aus dem 1. Transport, die überlebt hatten, waren über Jahrzehnte berührende Botschafter ihrer ermordeten Mithäftlinge und aufgrund ihrer genauen Beobachtung und Dokumentierung der Untaten der SS bedeutende Zeugen bei Auschwitz-Prozessen in Polen, in Deutschland und in Israel.

Auch ihnen verdanken wir den Aufbau des Staatlichen Polnischen Museums in Auschwitz und in Birkenau. Mit ihrem ganzen Leben und innerhalb des Internationalen Auschwitz Komitees engagierten sie sich für die Erinnerung an die in Auschwitz Ermordeten, für die Entschädigung der Zwangsarbeit und für ein geeintes Europa: Eine Welt der Intoleranz und des Rassismus war ihnen unerträglich: Als polnische Patrioten hofften sie auf eine friedliche Zukunft in Freiheit und auf eine Welt, in der kein Mensch mehr wegen seiner Abstammung, seiner Hautfarbe oder seiner Religion gedemütigt und verfolgt werden würde.

Gerade in der gegenwärtigen Situation, in der Rassismus und Antisemitismus erneut die Welt herausfordern, erinnert das Gedenken an diesen Tag, diesen Ort und diese Menschen auch daran, in welchem Inferno Rassismus und Antisemitismus enden können. Es ist den Auschwitz-Überlebenden in aller Welt deshalb sehr wichtig, dass ein solcher Gedenkakt nicht nur in Auschwitz selbst stattfindet, sondern wir auch in Berlin – und zeitgleich in Wien –  dieser ersten Häftlingsgruppe gedenken, die der Welt so viele Einblicke in die Mechanismen von Hass, Rassismus und Massenmord vermittelt und vor ihnen gewarnt hat."