IAK :: Erinnern an gestern, Verantwortung für morgen

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Offener Brief: „Lassen Sie die Welt wissen, dass Queidersbach seine Lektion diesmal verstanden hat.“

Angesichts der Auseinandersetzung um den durch rassistischen Hass und Drohungen erzwungenen Rückzug des aus Nigeria stammenden Ortspfarrers von Queidersbach, Patrick Asomugha, wendet sich das Internationale Auschwitz Komitee mit einem offenen Brief an die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Queidersbach. Sowohl von deren Reaktion als auch von der Reaktion der katholischen Kirche und der Politik erwarten sich Überlebende des Holocaust ein deutliches Signal, dass rassistische Auswüchse wie die Bedrohung des Pfarrers Asomugha weder kleingeredet noch zukünftig hingenommen werden:

"Liebe Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Queidersbach!

Jetzt sind Sie mit Ihrer Heimat bis in die New York Times geraten: Aber nicht wegen der schönen Landschaft, in der Sie leben, auch nicht wegen der Fürsorge, die Sie einander in Corona-Zeiten angedeihen lassen, sondern wegen der Monate, in der offensichtlich die meisten von Ihnen einen Menschen, der mit Ihnen lebte und für Sie da sein wollte, trotz Drohungen, Anfeindungen und Hass allein gelassen haben. Sie wissen, wen ich meine: Ihren Ortspfarrer Patrick Asomugha.

Überlebende des Holocaust quält bis heute am meisten die Frage nach der Gleichgültigkeit und den kalten Herzen ihrer Nachbarn, mit denen sie in kleinen und größeren Gemeinden über Generationen zusammengelebt hatten. Nicht die Bösartigkeit und der Hass der SS und der Nazibonzen läßt sie in der Erinnerung erstarren, nein, es ist die Gleichgültigkeit, die sie damals erfuhren: Nachbarn, die die Augen von ihnen abwandten und nicht sehen wollten, was mit den jüdischen Nachbarsfamilien geschah und wie vor ihren Augen Auschwitz begann. Das ist das Entsetzen, das sie nicht los läßt. Und deswegen reagieren sie auf Meldungen wie die aus Ihrer Gemeinde mit Mitgefühl, Empörung und Trauer und sie reagieren besonders emotional, wenn eine solche Meldung aus Deutschland kommt.

Und so erreicht Sie heute die Bitte: Kümmern Sie Sich um die Aufklärung dessen, was vor ihren Augen geschehen ist. Machen Sie deutlich, dass Rassismus in Ihrer Heimat für Sie unerträglich und erbärmlich ist: Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr! Beten Sie für Ihren Bruder Patrick Asomugha – zuhause und in der Öffentlichkeit: Bitten Sie um eine viel lautere und öffentlichere Unterstützung Ihrer Kirche und Ihres Bischofs und um die der lokalen und regionalen Politik.

Wir dürfen rassistischem Hass in Deutschland keinen Zentimeter Raum geben – in Queidersbach nicht und nirgendwo. Lassen Sie die Welt wissen, dass Queidersbach seine Lektion diesmal verstanden hat.

Mit besten Wünschen

Ihr Christoph Heubner
Exekutiv-Vizepräsident
Internationales Auschwitz Komitee"