IAK :: Erinnern an gestern, Verantwortung für morgen

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Statement zu den zwei neuen Prozessen in Deutschland gegen zwei Nazi-Verbrecher

Christoph Heubner im Gespräch mit Diana Zinkler von der Funke Mediengruppe:

Die Überlebenden, die jetzt auch alle hochbetagt sind, haben ihr ganzes Leben darauf gewartet, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden. Dass dies erst jetzt geschieht, ist ein Versagen und ein Versäumnis der deutschen Justiz, das sich über Jahrzehnte erstreckt hat. Zu wissen, dass die Täter aus den Lagern zumeist unbehelligt und ungefährdet ihr Leben leben konnten, ohne für ihre Untaten Rechenschaft vor einem deutschen Gericht ablegen zu müssen, hat die Überlebenden ihr ganzes Leben belastet.

Mittlerweile hat sich in der deutschen Rechtsprechung die Auffassung durchgesetzt, dass jeder Mensch, der in dem Mordsystem und Räderwerk der deutschen Konzentrations-und Vernichtungslager Dienst getan hat, auch mitverantwortlich ist für die Demütigung, die Qual und die Ermordung der Häftlinge. Zu diesem Räderwerk gehörte die Sekretärin ebenso wie der Wachmann. Über den Schreibtisch der Sekretärin ging die Korrespondenz des Todes, sie hatte in ihrem Büro im Lager Stutthof nicht nur Einsicht in die Mordakten, sondern vor ihr lagen in Sichtweite von weniger als einhundert Metern das Eingangstor des Lagers und die Baracken. Jeder Wachmann in jedem Lager der Nazis war jederzeit und überall für die Häftlinge eine tödliche Gefahr: Er konnte sie töten, mit einem Spaten, mit einem Schuss, mit seinen Stiefeln.

Die Überlebenden wollten nie Rache, sie wollten und wollen Gerechtigkeit. Nicht nur für sie hat die Gerechtigkeit kein Verfallsdatum. Und deshalb sind diese Prozesse noch immer wichtig, auch wenn mittlerweile die Täter und die überlebenden Opfer ein hohes Alter erreicht haben. Für die Überlebenden wirkt es fast bizarr, dass diese Prozesse in einer Zeit stattfinden, in der neue Nazis schon wieder zu Hass aufrufen und das verherrlichen, was in den Lagern geschehen ist.