24.03.2026
Rede des Bundespräsidenten der Republik Österreich, Alexander Van der Bellen
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Ich freue mich sehr, Sie, sehr geehrte Frau Dr.in Umlauf als Präsidentin sowie die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter des Internationalen Auschwitz Komitees hier in der Hofburg zu begrüßen.
Wir alle spüren heute schmerzlich, wie dramatisch sich die gesellschaftliche Lage entwickelt: sowohl hier in Österreich als auch weltweit. Insbesondere seit dem 7. Oktober 2023 verzeichnen wir einen Anstieg des Antisemitismus. Radikale Strömungen, Gewalt und Krieg sind Teil unserer täglichen Nachrichten.
Mehr Menschen sind wieder offener und anfälliger für die lauten Parolen des Antisemitismus. Demokratische Werte und Menschenwürde sind vielerorts in Gefahr. Umso wichtiger sind die Stimmen der Erinnerung, der Warnung und der Besonnenheit. Das Internationale Auschwitz Komitee leistet hier seit vielen Jahren wertvolle Arbeit, um das Bewusstsein der Menschen zu schärfen. Es warnt vor den Gefahren radikaler Entwicklungen, die weg von Demokratie und Dialog führen, hin zu Hass und Gewalt. Die Stimmen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen waren dabei immer unersetzlich. Sie haben über Jahrzehnte viel gekämpft, wurden immer wieder auch enttäuscht und haben dennoch viel erreicht, gerade auch in Österreich!
Auch Sie Frau Dr. Umlauf, gehören zu den Zeitzeuginnen, Sie haben das KZ als junges Kind erlitten (mit zwei Jahren). Sie wissen um die Bedeutung der Weitergabe dieser Erfahrungen und haben in diesem Bewusstsein letztes Jahr die Fackel der Erinnerung von Marian Turski übernommen. Sie führen damit eine Arbeit weiter, die heute so wichtig ist wie am Beginn.
Für viele ganz junge Menschen mag die Zeit des Nationalsozialismus gefühlt fast so weit zurück liegen wie vielleicht der Dreißigjährige Krieg. Doch wenn Überlebende ihnen ihre Geschichte erzählen, dann wird das Geschehene lebendig. Dann wird begreifbar, wie rasch eine Gesellschaft von der Zivilisation ins Chaos stürzen kann.
In diesem Sinne danke ich Ihnen vom Internationalen Auschwitz Komitee für Ihre jahrzehntelange Arbeit – für das Hüten und Weitergeben der Erinnerung, für die unzähligen Zeitzeugengespräche, für das pädagogische Wirken,
Meine Sorge - und ich denke, das ist unsere gemeinsame Sorge: Die Stimmen der Zeitzeug:innen verstummen langsam. Umso wichtiger ist es, mit geeigneten Maßnahmen die Fackel der Erinnerung weiter zu tragen. Denn wir alle wollen in einer Welt leben, die von Frieden, Freiheit und gegenseitigem Respekt geprägt ist.
Danke













