Vom 23. bis zum 25. März versammelten sich die Mitglieder des Präsidiums des IAK zu einer Sitzung in Wien, an der Delegierte aus Österreich, Ungarn, Belgien, Italien, der Tschechischen Republik, Deutschland und ein Repräsentant der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oswiecim/Auschwitz teilnahmen.
Höhepunkt des Treffens in Wien war ein Empfang durch den Präsidenten der Republik Österreich Alexander Van der Bellen in der Wiener Hofburg. Der Präsident, der leider kurzfristig durch Krankheit verhindert war, ließ seine Rede an die Delegierten übermitteln.
Die Delegierten berichteten über die Arbeit ihrer nationalen Organisationen und Stiftungen sowie die politische Situation in ihren jeweiligen Ländern. Leider hatten die Präsidiumsmitglieder aus Israel keine Möglichlkeit auf Grund der aktuellen Situation nach Wien zu reisen. Wir denken an die Holocaust-Überlebenden und unsere Freunde in Israel mit großem Mitgefühl und der Hoffnung auf Frieden.
Die Präsidentin des Komitees Dr. Eva Umlauf brachte in ihrer Erwiderung die aktuellen Sorgen aller Delegierten angesichts von steigendem Antisemitismus und zunehmender Stärke rechtsextremer Parteien in vielen europäischen Ländern zur Sprache. Sie betonte:
"Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
Es ist uns eine Freude und Ehre, dass Sie uns empfangen und uns anläßlich unserer Präsidiumssitzung in Wien begrüßen: Wir werten dies, sehr geehrter Herr Bundespräsident, auch als ein Zeichen Ihrer Verbundenheit mit den Überlebenden von Auschwitz und unseren pädagogischen und politischen Anliegen:
Ihr Satz, Auschwitz sei nicht vom Himmel gefallen, den Sie bei der letzten Begegnung mit unserem Komitee äußerten und den unser Freund - und mein Vorgänger als Präsident unseres Komitees - Marian Turski in seiner berühmten Rede zum 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz aufgegriffen hat, dokumentiert wohl am besten die Kontinuität und die Enge unserer Verbindungen. Mit diesem Satz haben Sie darauf verwiesen, daß das Morden in Auschwitz und die versuchte Ausrottung der jüdischen Familien und der Sinti und Romas am Ende eines Prozesses der Ausgrenzung und Stigmatisierung, der Hetze und des Hasses standen, der lange zuvor in Städten Europas von den deutschen Nazis exekutiert und von vielen fanatischen Anhängern und Mitläufern unterstützt wurde. Der Hass und der Antisemitismus trafen auf willige Helfer und zu viele Gleichgültige, die ihre Augen, ihr Herz und ihren Verstand geschlossen hatten.
Ich will nicht verhehlen, sehr geehrter Herr Bundespräsident, dass wir in diesen Tagen von zahlreichen Sorgen umgetrieben sind: Überlebende, ihre Nachkommen und ihre Familien haben im Blick auf die Entwicklungen vieler Gesellschaften in Europa regelrechte deja-vu Erlebnisse. Der Hass und die Gewaltbereitschaft, die mit dem Antisemitismus einhergehen, verbreiten sich weltweit und die Erinnerung an die Ursachen und Schrecken des Holocaust als d e r Katastrophe des 20. Jahrhunderts scheinen in diesem Hass ihre warnende Wirkung zu verlieren oder sogar an neuer dumpfer Attraktivität, besonders bei jungen Männern, zu gewinnen. Für uns ist das eine Schande und eine erneute Selbstaufgabe des Menschen:
Jenseits von Trauer und Empathie hören wir die neuen Stimmen des Hohns und der Verachtung der Demokratie, die mich und andere Überlebende so sehr an früher erinnern. Hinzu kommt jener ausufernde und schneidende Hass gegen den Staat Israel, der immer wieder den Staat und seine Bewohnerinnen und Bewohner mit der Politik der Regierung gleichsetzt und den Staat am liebsten bald von der Landkarte streichen möchte. Besonders erschreckt uns, dass dieser antisemitische Hass sich aus verschiedenen Quellen speist, manchmal sind es die alten und nun wieder jungen Nazis, manchmal linksextreme Fanatiker, denen jede Differenzierung verloren gegangen ist und die letztendlich gegen die Existenz des Staates Israel wüten und zu all dem kommt antisemitscher Hass aus muslimischen Kreisen hinzu: Kreise, in denen Kinder von klein an zum Hass gegenüber jüdischen Kindern erzogen werden.:
Eine erschreckende Mischung, die doch nicht nur auf uns zielt und uns betrifft, sondern die Politik und die Demokratie an sich. Und so erwarten wir die Aufmerksamkeit, die Konsequenz und die Solidarität der Menschen in Europa, damit ihre Gegenwart und Zukunft nicht von all diesen Gruppen und Parteien geschreddert wird. Sie, verehrter Herr Bundespräsident, waren und sind im Konzert der Politik immer eine Stimme der Vernunft und der Ermutigung, der Hoffnung, dass Menschen friedlich miteinander leben können und die Demokratie letztendliche die Kunst und die einzige Möglichkeit ist, einander in Offenheit, Toleranz und Freundlichkeit zu begegnen. Dafür danken wir Ihnen!"
Link zur Rede des Bundespräsidenten der Republik Österreich, Alexander Van der Bellen und zu Fotos der IAK Präsidiumssitzung in der Wiener Hofburg